Wie viel ist mein Unternehmen wert?

Sowohl im Rahmen von Unternehmensverkäufen, als auch bei Nachfolgen innerhalb und außerhalb der Familie oder bei Erbauseinandersetzungen bzw. bei Beteiligungen durch beispielsweise Mitarbeiter, stellt sich stets die Frage nach dem Wert des Unternehmens. Ob jemand bereit ist, den ermittelten Wert eines Unternehmens auch als Preis zu bezahlen, kann hier nicht beantwortet werden. Häufig gibt es bei Kleinstunternehmen keine Kaufinteressenten, was den Preis massiv drücken würde. Es kann aber auch das Interesse aus z.B. Synergiegründen oder aufgrund des Zukunftspotenzials (z.B. bei Start­ups) so groß sein, dass ein erheblicher Aufschlag über den objektivierten Wert hinaus bezahlt wird. Der Preis ist somit stark vom potenziellen Käufer abhängig. Der Wert eines Unternehmens ist aber nicht davon abhängig, was ein eventueller Erwerber alles mit dem Unternehmen vorhat, sondern vielmehr, was auf Basis der aktuellen Grundlagen in der Zukunft prognostisch an Ertrag zu erwirtschaften ist. Hängt der Erfolg sehr stark vom Übergeber ab, so wird dies den Wert beeinträchtigen. Daher sollten Unternehmer stets daran arbeiten, dass das Unternehmen auch unabhängig von ihnen erfolgreich laufen kann. Bei der Wertfeststellung empfiehlt es sich, den Blick eines Investors einzunehmen. Denn, was erwartet jemand, der sich an einem Unternehmen beteiligt oder dieses als Ganzes kauft? Jeder wird sich einen ausreichenden „Return on Investment“ (ROI) wünschen. Und da die Rückflüsse bei Veranlagung in einem Unternehmen mit einem höheren Risiko behaftet sind als bei Veranlagung in beispielsweise Staatsanleihen, ist ein entsprechend hoher Risikoprozentsatz anzusetzen. Ein Gesamtzinssatz als Renditeerwartung in einer Bandbreite von 6 bis 12% wird man je Risikoeinschätzung, Markt und Branche anführen können. Nehmen wir einmal den Mittelwert von 9% als Renditeerwartung her. Wenn man z.B. € 1 Mio. investiert, dann würde man sich einen jährlichen Rückfluss von € 90.000,– erwarten. Im Umkehrschluss ist somit ein jährlicher Rückfluss von € 90.000,– dann auch, so man den Rückfluss auf alle Zeiten – also unendlich lange – erwartet, € 1 Mio. wert. Was ist nun der Rückfluss? Alles, was ein Unternehmen in Zukunft ausschütten kann, ist der mögliche „Return on Investment“. Dies ist auch der Grund, warum die meisten Unternehmensbewertungsverfahren zukünftige Erträge oder Cash-Flows auf den heutigen Zeitpunkt abzinsen und somit weniger auf den aktuellen Substanzwert abstellen. Da nach 5 bis 15 Jahren die Erträge nur mehr dem Übernehmer und nicht mehr dem Übergeber zuzurechnen sind, kann man auch z.B. statt auf unendlich nur auf 15 Jahre rechnen. Rechnet man einen Rückfluss von € 90.000,– mit einer Renditeerwartung von 9% auf eine unendliche Zeit, so rechnet man € 90.000,– durch 9%, was genau € 1 Mio. ergibt. Rechnet man hier die Rückflüsse abgezinst nur für 15 Jahre, so ist der Wert aber gar nicht so weit weg von € 1 Mio. und zwar bereits bei rund € 725.000,–. Bei 10 Jahren wird man auf einen Wert von rund € 578.000,– kommen. Und das passt auch schon ganz gut als Wertbandbreite. Das Unternehmen, das jährlich € 90.000,– abwirft, wird zwischen € 578.000,– und € 725.000,– wert sein. Nehmen wir den mittleren Wert von € 652.000,–, so entspricht dies dem 7,25 fachen der jährlichen Rendite von € 90.000,–. Wenn man sich nochmals den Rückfluss ansieht, so geht es um zukünftig ausschüttbare Cash-Flows. D.h. man wird das Ergebnis vor Steuern und vor Fremdkapitalzinsen ansetzen und hier die Abschreibung hinzuzählen, sodass man zum Cash-Flow vor Finanzierungskosten kommt. Das ist aber noch nicht der frei verfügbare Cash-Flow, denn man muss ja auch in Zukunft Investitionen tätigen, um die Betriebstätigkeit aufrecht erhalten zu können. In vielen Fällen werden die laufend nötigen Investitionen auch wieder genau in der Höhe der Abschreibung sein. Somit ergibt sich als freier Cash-Flow das Ergebnis vor Zinsen und Steuern. Man rechnet mit dem Ergebnis vor Steuern, da ja jede Art von „Return on Investment“ auch noch zu versteuern sein wird und man rechnet vor Zinsen, da die Betrachtung un­abhängig von der Finanzierungssituation anzusetzen ist. Daher ist häufig der freie Cash-Flow ähnlich dem EBIT (earnings before interest and taxes – also Gewinn vor Zinsen und Steuern). Für kleine Unternehmen oder auch zur Plausibilisierung der ermittelten Unternehmenswerte für Unternehmen jedweder Größe werden häufig EBIT-Multiplikatoren zur Unternehmenswertfeststellung angewendet. Je nach Branche bewegen sich diese zwischen 5 und 10 und einem Mittelwert von 7 bis 7,5. Und das kommt nicht von ungefähr, denn dieser Multiplikator entspricht auch den bereits oben errechneten 7,25 fachen. Fazit: Wenn in einem Unternehmen ungefähr in der Höhe der Abschreibung auch laufend reinvestiert werden muss, so wird man mit dem 7fachen Gewinn vor Steuern und Zinsen zu einem guten Daumen mal Pi Unternehmenswert gelangen. Wie erwähnt ist natürlich hiermit noch lange nicht gewährleistet, dass dieser Wert auch preislich erzielt werden kann.