DIE VERMESSUNG DER HOMEOFFICE-WELT
Jeder Heimarbeitsplatz muss steuerlich absetzbar sein – das fordert Barbara Havel, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Wien. Warum das gerade für Jungunternehmer und EPU ein besonders wichtiger Beitrag zu einer erfolgreichen Zukunft wäre? Die Antwort gibt es im Interview.
Der Antrag liegt schon längst im Ministerrat, passiert ist aber noch nichts. Und das, obwohl einst von politischer Seite das Versprechen vorlag, dass sie 2021 fix kommt – die steuerliche Absetzbarkeit vom Homeoffice-Platz, auch wenn kein eigener Raum dafür im Eigenheim vorhanden ist. „Wir machen weiter Druck“, erklärt Barbara Havel, Vorsitzende der Jungen Wirtschaft Wien. Denn gerade das Thema liegt ihr besonders am Herzen …
Frau Havel, wie hat Ihr erster Arbeitsplatz nach Gründung Ihres Unternehmens ausgesehen?
Jetzt sind wir auch direkt im Thema. Ich habe mein Handelsunternehmen für Medizinprodukte, Medizinische IT und Pflegebedarf in meiner Wohnung gegründet. Meine Firmenzentrale war ein Schreibtisch, den ich mir ins Wohnzimmer gestellt habe. Ein eigenes Büro hatte ich nicht. Und das fünf Jahre lang.
Sie kennen den steuerlichen Nachteil, den man bei Raumknappheit im Homeoffice hat, also aus erster Hand?
Ja! Und ich würde das schlicht einen Missstand nennen. Gerade in Zeiten einer Pandemie, in der das Homeoffice noch mehr Bedeutung hat. Es ermöglicht Digitalisierung in vielen Berufssparten sowie ein völlig flexibles Arbeiten und schont auch noch Ressourcen. In einer Zeit, in der immer mehr Menschen in offenen Wohnkonzepten leben und die Wohnfläche pro Person immer kleiner wird, ist das besonders relevant. In Wien liegt die durchschnittliche Wohnfläche pro Person bei 36,1 Quadratmetern. Wie darauf ein räumlich abgetrenntes Büro Platz haben soll, ist eher fraglich. Aktuell kann man ein Homeoffice als Unternehmer nur abschreiben, wenn dies räumlich getrennt ist – also ein eigenes Zimmer ist.
Arbeitnehmer können ihr Homeoffice – unabhängig vom Raum – ja bereits steuerlich absetzen. Was fordern Sie für Selbstständige?
Dass 1.200 Euro pro Jahr pauschal als Betriebsausgabe absetzbar sind. Der Fixbetrag ergibt Sinn, da man ja die Größe des „flexiblen“ Homeoffices nicht wirklich bemessen kann. Darum ist das eine faire Lösung für alle.
Wird das Thema vonseiten der Wirtschaftstreibenden in Wien oft an Sie herangetragen?
Allerdings. Weil es eben so viele junge Unternehmer betrifft. Nicht jeder kann sich ein eigenes Büro leisten. 63.000 Einpersonenunternehmen gibt es allein in Wien, gut ein Drittel der Eigentümer ist unter 40 Jahre alt. Und natürlich führen viele von ihnen ihre Firmen von zu Hause aus. Genau ihnen muss man unter die Arme greifen. Denn in den Wohnzimmern von heute können die wirtschaftlichen Aushängeschilder der Zukunft entstehen.
Anmerkung der Redaktion: Pünktlich zum Redaktionsschluss erreichte uns die erfreuliche Meldung, dass es zu einer Neuregelung der Absetzbarkeit des Arbeitsplatzes im Wohnungsverband kommen wird. Künftig soll es auch Selbständigen möglich sein, eine Pauschale für die Kosten des Arbeitsplatzes in der eigenen Wohnung abzusetzen. Wir informieren Sie gerne.