Auf Kurs bleiben: Liquiditätsplanung in turbulenten Zeiten

Mark Twain sagte einst: „Von jetzt an werde ich nur so viel ausgeben, wie ich einnehme – und wenn ich mir dafür Geld borgen muss.“ Hinter allem Humor verbirgt sich in Twains Weisheit eine wichtige Lektion für Unternehmer: Nur wer seine Finanzen im Griff hat, kann auch in schwierigen Zeiten bestehen.

Warum Liquiditätsplanung heute wichtiger ist denn je

Die vergangenen Jahre haben eindrucksvoll gezeigt, wie schnell sich wirtschaftliche Rahmenbedingungen ändern können. Ob Corona-Pandemie oder Energiekrise – beide haben deutlich gemacht: Unternehmen, die über ein solides Finanzpolster und eine vorausschauende Planung verfügen, sind besser gegen unerwartete Herausforderungen gewappnet.

Eine sorgfältige Liquiditätsplanung ist daher für jede Unternehmerin und jeden Unternehmer ein absolutes „Muss“. Sie hilft nicht nur dabei, kurzfristige Liquiditätsengpässe zu vermeiden, sondern auch, die langfristige Stabilität des Unternehmens zu sichern.

So behalten Sie die Kontrolle über Ihre Finanzen

Eine effiziente Liquiditätsplanung umfasst sechs, besser noch zwölf Monate. Anders als bei der Buchführung, in der nur die tatsächlichen Einnahmen und Ausgaben erfasst werden, stellt die Liquiditätsplanung Ihre geplanten und zu erwartenden Einnahmen und Ausgaben einander gegenüber. Diese sollten Sie entsprechend jenen Konten erfassen, die Sie auch in Ihrer Buchführung nutzen (Warenverkäufe, Personalkosten, Bürokosten etc.).

Wichtige Fragestellungen für Ihre Liquiditätsplanung

  • Welche Fixkosten fallen an (z.B. Miete, Personal)?
  • Wann fallen Zinszahlungen und Tilgung für Kredite an?
  • Bis wann müssen Sie Verbindlichkeiten bei Lieferanten beglichen haben?
  • Wann werden Ihre Kunden (voraussichtlich) welche Rechnungen bezahlen?
  • Welchen Umfang hat Ihr Kontokorrentkredit bei Ihrer Bank?
  • Welche weiteren Kreditspielräume stehen Ihnen zur Verfügung?
  • Welche eigenen Reserven können Sie einbringen, wenn das Geld knapp wird?

Die notwendigen Zahlen für Ihre Planung finden Sie auf Ihrem Girokonto, bei den offenen Forderungen und Verbindlichkeiten sowie in Ihren Verträgen.

Proaktiv statt reaktiv – so vermeiden Sie Liquiditätsengpässe

Eine solide Liquiditätsplanung ist der erste Schritt, um finanzielle Engpässe zu verhindern. Doch selbst bei guter Planung kann es zu Situationen kommen, in denen die Einnahmen nicht ausreichen, um die laufenden Kosten zu decken. Um solche Unterdeckungen gar nicht erst entstehen zu lassen, sollten Sie vorbeugende Maßnahmen ergreifen.

Hier sind einige bewährte Strategien, die Ihnen helfen, Ihre Liquidität jederzeit zu sichern:

Liquiditätsreserve als Rettungsanker

Sorgen Sie dafür, dass Sie jederzeit über eine „eiserne“ Reserve verfügen können. Diese verfügbaren flüssigen Mittel sind gemeinsam mit Ihrer Kreditlinie bei der Bank Ihre Liquiditätsreserve. Eine Faustregel besagt: Die Liquiditätsreserve sollte für mindestens drei Monate ausreichen.

Grundregeln für Liquidität und Kredite

Langfristige Kapitalbindungen wie Anlagevermögen und Vorräte sollten Sie über langfristige Finanzierungen absichern. Kurzfristige Verbindlichkeiten können Sie über den Kontokorrentkredit abdecken. Eine Faustregel: Stets ist mindestens ein Monatsumsatz in Forderungen gebunden. Achten Sie darauf, dass mit steigendem Umsatz auch der Kapitalbedarf für dessen Vorfinanzierung zunimmt.

Fazit: Gerade in unsicheren Zeiten ist eine vorausschauende Liquiditätsplanung unverzichtbar, um das Unternehmen auf Kurs zu halten und auf unerwartete Herausforderungen reagieren zu können. Gerne unterstützen wir Sie bei Ihrer Planung!

Tipps, um finanziellen Engpässen vorzubeugen

  1. Begrenzen Sie das Zahlungsziel für Kunden: Geben Sie Ihren Kunden keine allzu langen Zahlungsfristen. Dies sichert Ihre eigene Liquidität.
  2. Bieten Sie Skonto für schnelle Zahlungen an: Ermutigen Sie Ihre Kunden, Rechnungen schneller zu begleichen, indem Sie attraktive Skonti anbieten.
  3. Vereinbaren Sie Anzahlungen oder Teilzahlungen: Reduzieren Sie Ihr Risiko, indem Sie Anzahlungen oder Teilzahlungen für größere Aufträge festlegen.
  4. Verhandeln Sie Zahlungsaufschübe mit Lieferanten: Sprechen Sie mit Ihren Lieferanten über die Möglichkeit, Zahlungen zu verschieben, um kurzfristige Engpässe zu überbrücken.
  5. Beschaffen Sie frisches Beteiligungskapital: Prüfen Sie die Möglichkeit, durch die Aufnahme von Beteiligungskapital zusätzliche Liquidität zu gewinnen.
  6. Treten Sie Forderungen ab: Übertragen Sie Ihre Forderungen an ein Kreditinstitut, oder nutzen Sie Factoring, um sofortige Liquidität zu erhalten.
  7. Treiben Sie offene Forderungen konsequent ein: Setzen Sie auf ein striktes Forderungsmanagement, und ziehen Sie gegebenenfalls Inkassounternehmen hinzu.
  8. Verkaufen Sie im Ernstfall Teile des Unternehmensvermögens: Wenn es keine andere Möglichkeit gibt, sollten Sie in Betracht ziehen, nicht betriebsnotwendige Vermögenswerte zu veräußern.

Ihr Fidas Team