Wie Sie mit Resilienz-Kompetenz gut durch schwierige Zeiten kommen.
„Winter is coming“: Der wohl bekannteste Spruch aus der Fernsehserie „Game of Thrones“ scheint angesichts der Ukraine- und Energiekrise nun auch im hintersten Winkel Europas Bedeutung zu bekommen. Kommen noch betriebliche oder private Probleme hinzu, wird es schwer, einen kühlen Kopf und ein optimistisches Herz zu bewahren.
Je nach Persönlichkeitstyp fällt es Menschen leichter oder schwerer, Krisen zu bewältigen. Die Resilienz-Forschung hat sieben Eigenschaften identifiziert, die Menschen widerstands- und anpassungsfähiger machen.
Die sieben Resilienz-Kompetenzen und je ein Tipp, um sie zu stärken:1. Optimismus
Ist Ihr Glas halb leer oder halb voll? Eigentlich egal, denn wir können es immer wieder nachfüllen. Manchmal genügt eine bewusste Beschäftigung mit der Realität, um wieder klar sehen zu können. Weder die rosarote Brille noch das schwarz-weiße Jammertal bringt uns weiter.
Tipp: Betrachten Sie Ihre Situation kritisch, und schreiben Sie den Best und den Worst Case auf. Welches ist das wahrscheinliche und realistische Szenario? Eine Faustformel lautet: 98 % der Dinge, über die wir uns Gedanken machen, treten nie ein.
Sind Sie der pessimistische Typ? Hier ein Extra-Tipp: Stehen Sie mit „dem rechten Fuß“ auf, soll heißen, starten Sie bewusst mit positiven Gedanken in den Tag, um eine gute Grundstimmung zu bekommen. Überlegen Sie sich einen Satz, der Sie lächeln lässt, oder betrachten Sie ein Bild, das schöne Erinnerungen weckt.
2. Akzeptanz
„Warum passiert das immer mir? Das ist unfair!“ – Wer mit seinem Schicksal hadert, kämpft gegen sich selbst und dreht sich im Kreis.
Es gibt Dinge, die können wir ändern – andere nicht: „Love it! Leave it! Accept it! Or change it!“ Wer es schafft, seinen Fokus auf das zu richten, was in seinem Einflussbereich liegt, kommt leichter durchs Leben.
Tipp: Überlegen Sie für Ihre derzeitige Situation: „Worauf habe ich Einfluss und worauf nicht?“ Treffen Sie danach entsprechende Entscheidungen. Beispiel: „Ich stehe im Stau. Ich kann mich ärgern, weil ich einen Termin verpasse, oder den Kunden informieren, dass ich später komme. Künftig nehme ich eine andere Route.“
3. Lösungsorientierung
„Ein Problem lösen heißt, sich vom Problem zu lösen“, wusste schon Johann Wolfgang von Goethe. Es hilft nichts, ein Problem bis ins kleinste Detail zu analysieren. Was zählt, ist, sich auf den Wunschzustand zu konzentrieren.
Tipp: Stellen Sie ergebnisorientierte Fragen: „Woran würde ich erkennen, dass das Problem gelöst ist? Was wäre dann anders, und wie würde ich mich fühlen? Wer würde die Veränderung noch bemerken und woran?“
4. Bindungen/Netzwerke
Wir sind von Natur aus soziale Wesen; um uns sicher zu fühlen, brauchen wir andere Menschen um uns. Dabei spielt die tatsächliche Unterstützung eine untergeordnete Rolle – wichtig ist das Gefühl, über ein starkes Netzwerk zu verfügen, damit es uns besser geht.
Tipp: Knüpfen Sie ein Netzwerk aus Menschen, die positiv in die Zukunft blicken. Auf der Webseite der WKO finden Sie zahlreiche Netzwerk-Angebote.
5. Selbstbestimmung
Jeder ist seines Glückes Schmied – oder wollen Sie das ewige Opfer Ihrer Umstände sein? Wer immer das Schicksal oder andere Menschen verantwortlich macht, macht es sich zu bequem. Denn so müssen Sie Ihre Komfortzone nicht verlassen, keine Verantwortung übernehmen und sich nicht vor sich selbst rechtfertigen.
Die Kehrseite beinhaltet allerdings ein Gefühl der Hilflosigkeit und eine Negativspirale, die uns nach unten zieht.
Tipp: Ziehen Sie regelmäßig Energiebilanz. Zu wie viel Prozent ist Ihre Lebenslust-Batterie gerade geladen? Antworten Sie aus dem Bauch heraus, wie Sie sich im Moment fühlen. Fragen Sie sich dann: „Was lädt meine Batterien auf? Was braucht sie auf?“ Gehen Sie noch einmal zu Punkt 2 zurück, und treffen Sie Ihre Entscheidung: Wovon brauchen Sie künftig mehr? Wovon oder von wem sollten Sie sich trennen?
6. Selbstwirksamkeit
Wenn Sie davon überzeugt sind, Herausforderungen aus eigener Kraft bewältigen und Dinge zum Positiven verändern zu können, sind Sie für alle Widrigkeiten gewappnet. Doch gerade in schwierigen Zeiten lassen uns negative Erlebnisse und Misserfolge zweifeln.
Tipp: Führen Sie ein Erfolgstagebuch, in dem Sie jeden Abend drei Dinge notieren, die Ihnen heute gelungen sind oder Freude gemacht haben. In schwierigeren Zeiten können Sie auf diese positiven Erinnerungen zurückgreifen.
7. Positive Zukunftsplanung
Menschen mit Zielen befinden sich konsequent im Hier und Jetzt und nehmen ihr Leben selbst in die Hand. Je klarer die Ziele, desto wahrscheinlicher werden sie erreicht. Dazu braucht es zwei Kräfte: die Willens- und die Tatkraft.
Tipp: Finden Sie Ihr Leitstern-Wort oder -Motto. Was treibt Sie an, und woraus schöpfen Sie Kraft? Welches Wort/Motto ermutigt Sie? Dieses Wort oder Motto können Sie je nach Lebensphase immer wieder neu wählen. Es ist Ihr positiver Anker – in guten wie in schlechten Zeiten.